Gesehen, gelesen, gedacht. Für Sie zur Inspiration.

LUTZ & GUGGISBERG. Ofen, Geist und Meister in Winterthur bis 3.1.2021
Weil Lutz & Guggisberg ihre Materialien präzis verarbeiten und auch klassisch anmutende Arbeiten zeigen, ist es zuweilen ein Ratespiel, welche Arbeiten nach 1900 entstanden und welche nach 2000. Die beiden Zeitgenossen nehmen Bezug zu ihren Kunst-Ahnen: Im Saal der Surrealisten mit Max Ernsts geträumter Natur findet sich das ‘Weltei’, das an bedrohte Natur gemahnt. Im Kubistensaal wird dekonstruiert und neu zusammen gesetzt, einfach etwas anders. Da steht vor einem Bild von Le Corbusier ein Bürostuhl aus gebranntem Ton, ‘Büropolis’. Fragen nach unserer Art zu leben steigen auf. Es geht auch aber um Fetische und Magie. Die Objekte sind mehr als nur Materialien, sie bringen Geschichten mit ein. Die Titel sind wichtig – ‘Erpelbert mit Gabe’ ist so einer, der schmunzeln macht. Die Künstler sind auch Sprachakrobaten und Bühnenperformer.

 
Während sich die Seriosität in den Räumen des Museums-Altbaus auf die Arbeiten von Lutz & Guggisberg überträgt, wird sie zugleich gebrochen durch das Augenzwinkern der postmodernen Künstler – wenn man sich denn darauf ein lässt. Schauen Sie also genau hin. Denn die beiden haben was drauf. Übrigens profitieren auch die Klassiker von diesem Gastspiel: Sie wirken frisch und in neuem Licht.

PS Eins meiner Lieblingswerke von Lutz & Guggisberg ist die Bibliothek der unlesbaren Bücher. Die Künstler gestalten seit Jahren erfundene Bücher aus geschliffenen Sperrholzblöcken, mit erfundenen Titeln und selbst gestalteten Covern, die sie fein säuberlich um die Holzblöcke wickeln. Zu diesen Objekten ist im November ein 520 Seiten starkes, reich bebildertes Buch erschienen. Ein echtes! Vergleichende Komparatistik. Die imaginäre Bibliothek von Lutz & Guggisberg, Edizioni Periferia, Luzern 2020.

Rundgänge mit mir durch die Ausstellung sind buchbar unter 079 562 57 17 oder mr@mariettarohner.ch

https://www.kmw.ch/ausstellungen/lutz-guggisberg/