Den Louvre muss man gesehen haben, meint alle Welt. Leider
Wann waren Sie letztmals im Pariser Louvre? Und woran erinnern Sie sich? Ich war schon sehr lange nicht mehr da, und von meinem letzten Besuch bleibt mir vor allem etwas in Erinnerung: Tausende von Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt, die nach stundenlangem Anstehen vorbeiziehen an Tausenden von Bildern in Hunderten von Sälen, stets das Handy gezückt und alles fotografierend, was an den Wänden hängt. Ebenso präsent bleibt meine Überforderung ob all der Sinneseindrücke bereits nach kurzer Zeit. Dabei bin ich doch Museumsbesuchsprofi!
Die Ausmasse des Louvre sind gigantisch. Das einstige Schloss hat zwei Flügel von je 800 m Länge, mehrere Etagen und Hunderte von aufeinander folgenden Sälen auf einer Strecke von mehreren Kilometern. Seine Sammlung beherbergt rund 400‘000 Kunstwerke, davon 35‘000 ausgestellt auf einer Gesamtfläche von 16‘000 Quadratmetern. Ich wollte wieder einmal
Die Freiheit von Eugène Delacroix sehen und
Das Floss der Medusa von Théodore Géricault sowie die frisch restaurierte
Nike von Samothrake. Zugleich wollte ich vermeiden, durch all die Säle mit den Meisterwerken von Dürer, da Vinci (von seiner Mona Lisa ganz zu schweigen), Rembrandt und Caravaggio gehen zu müssen. Doch trotz Mut zur Lücke, trotz zielstrebigem Losgehen und nach mehreren Irrwegen verliess ich den Kunstpalast nach drei Werken und einer halben Stunde (!) fluchtartig.
In einem Reiseblog las ich dann dies:
«Ich weiß zwar nicht mehr, wieviele Stunden wir im Louvre verbracht haben, aber es war mehr als ein halber Tag und wir haben dabei nicht mal die Hälfte gesehen, was wirklich schade war.» 35‘000 gezeigte Kunstwerke, und in einem halben Tag
«nicht mal die Hälfte gesehen»?! Ich ziehe ein ganz persönliches Fazit. All jenen, die sich für die Schätze des Louvre interessieren und auch zu ermatten drohen in diesem Gewusel, sei hier ein tolles Buch empfohlen:
Henri Loyrette, Der Louvre. Der Autor war zwölf Jahre Direktor des Museums bis im Jahr 2013. Der Sohn einer Ägyptologin hatte eine Dienstwohnung unter dem Dach eines Louvre-Flügels und konnte sich die Bestände ausserhalb der Öffnungszeiten in aller Ruhe ansehen... Das Buch ist ein Wälzer, informativ und reich bebildert. Wohlverstanden, Originale gehen grundsätzlich vor. Doch wenn sich die Institution durch ihren eigenen Erfolg totläuft, ist so ein Buch ein prächtiger Ersatz für lange Abende!
http://www.amazon.de/Der-Louvre-Henri-Loyrette/dp/3896605984